Marktforscher haben Umfragen gefälscht und Kunden betrogen

Wer Online-Marketing betreibt muss seine Zielgruppe kennen und dafür werden Menschen befragt, Marktforschung. Doch das Magazin Der Spiegel hat aufgedeckt, dass einige Marktforschungsinstitute Befragungen und Statistiken gefälscht haben. Dafür haben die Journalisten interne Dokumente zu rund 600 Studien aus den vergangenen zehn Jahren ausgewertet. Dazu zählten zehntausende E-Mails, Fragebögen, Anweisungen für Interviewer und Datensätze. Das Ergebnis: Studien werden teils planmäßig gefälscht und das betrifft indirekt auch große und seriöse Markt- und Sozialforschungsunternehmen. So hat selbst das Institut für Demoskopie Allensbach festgestellt, dass bei Untersuchungen etwa ein Prozent der Antworten manipuliert worden sind.

Martin Thöring, ein Insider der 22 Jahre in der Branche gearbeitet hat, berichtet wie der Betrug abläuft. Thöring hat als Interviewer angefangen und führte 24 Befragungen pro Tag, ein Kollege erzählte ihm, wie er 80 schaffte. Er führt nur ein paar Interviews, die Antworten bei den anderen erfand er einfach. So ging Thöring bald auch vor und verdiente fast 2000 Mark pro Woche. Die Verführung in der Branche zu betrügen ist groß, denn die quantitative Markt- und Sozialforschung ist zeitaufwendig, besonders wenn eine spezielle Gruppe von Menschen gesucht wird und die Fragebögen sehr umfangreich sind. Wenn dann ein Gespräch eine halbe Stunde dauert und nur mit vier Euro vergütet wird, hilft Betrug den Stundenlohn aufzubessern. So hat 2013 schon Joerg Ermert, damals Leiter der Grundlagenforschung der Deutschen Telekom, die Qualität von Umfragen zu Niedrigpreisen bezweifelt. Das bestätigten damals auch zwei Manager von Marktforschungsinstituten. Selbst telefonische Befragungen in Callcentern wurden manipuliert, per Software und mit Beteiligung der Vorgesetzten. Für Erfahrungsberichte mit Hautcremes wurden sogar die Schriften von Verbrauchern gefälscht. Auch wenn seit Jahren der Verdacht von Manipulationen bestand, wurden die Kontrollen in der Branche nicht verschärft.

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